
Als Spiegelreflexbesitzer kennt man das eine große Übel seiner Kamera: trotz aller Vorteile in Sachen Bildqualität, Kreativität und Zubehörausstattung ist eine DSLR nicht wirklich handlich. Es gibt schon die eine oder andere Situation, wie bspw. schlechteres Wetter, Großveranstaltungen mit pingeligen Ordnern, etc., wo man sich eine Zweitkamera herbeiwünscht. Schaut man sich deren Ausstattung an, bleibt man meist aber doch lieber bei eben der eigenen DSLR. Ich hatte die Gelegenheit die Canon PowerShot A710 IS ausführlich zu testen. Ist sie der perfekte Sidekick?
Zuerst habe ich das Gefühl, dass sich die sogenannten Mittelklassekameras, (in den USA spricht man von Prosumern, also Konsumenten mit Profianspruch) in den vergangenen zwei Jahren nicht drastisch weiterentwickelt haben. Das übliche Megapixelwettrüsten geht nach wie vor weiter und auch im Zoombereich versuchen sich die Anbieter weiterhin zu übertrumpfen. Dennoch muss man feststellen, dass im Sinne der Marktdurchdringung wenigstens endlich so schöne Profi-Features, wie ein Image Stabilizer im bezahlbaren Mittelklassesegment angekommen sind. Dies war für mich auch das Hauptaugenmerk bei dieser Kamera, da ich dies schon im reinen Objektivbereich sehr schätze. Gerade die kleinen Hosentaschenkameras kranken ja systembedingt oft an ihrer Lichtschwäche. Schöne schlanke Kameragehäuse gehen halt nun mal von ihrer Bauart her schon nicht mit der lichtstarken Objektivgüte einer DSLR einher. Aber gut, das erwartet ja auch niemand ernsthaft.
Die sieben Megapixel der A710 IS sind für den Einsteiger- und Hobbyfotografen mehr als üppig dimensioniert. Die Bildschirmauflösung von 3072×2304 Pixeln reicht um Poster im Kleinformat ohne große Qualitätsverluste zu fertigen. Die Linse arbeitet mit einer Brennweite von ca. 35-210mm (äquiv. Kleinbildformat) und einer Lichtstärke von 2.8 bis 4.8, was recht gut ist. Die ISO-Empfindlichkeit verfügt über die Werte 80, 100, 200, 400 und 800 mit zwei Automatikmodi. Der optische Zoom kommt mit einer schönen 6-fachen Vergrößerung daher, welche sich durch den Safety-Zoom nochmals 4-fach aufbohren läßt, wenn man statt mit den vollen sieben Megapixeln mit weniger Auflösung knippst. Diese Automatik ist einem Digitalzoom vorzuziehen und praktisch handhabbar. Apropos Handhabung: die Haptik der Kamera ist gut. Das kompakte Plastikgehäuse ist griffig und mit 97,5 x 66,5 x 41,2 mm gerade noch so in einer Hosentasche verstaubar. Das Gewicht von ca. 210 Gramm ist perfekt ausgewogen. Das silberne Finish wirkt zwar nicht so edel, wie die Kollegen der IXUS-Reihe, aber dennoch wertig.
Die Front des Gehäuses ziert das versenkbare Objektiv mit mechanischem Linsenschutz, eine Konvertervorrichtung, Blitz, AF-Hilfslicht und Sucherprisma. Auf der Rückseite findet man neben sechs Bedienknöpfen und Steuerfadenkreuz den riesig dimensionierten 2,5″ Monitor. Die 115.000 Pixel erstrahlen hell und zeigen Menüs, Sucheransicht und die aufgenommenen Bilder mit satten, ansprechenden Farben. Allerdings verfälscht der Monitor wie gewohnt etwas. Auf einem PC-Monitor sehen die Bilder etwas weniger hochkontrastig aus. Dennoch schön, dass Canon hier ein wertiges Display verbaut hat. Hervorhebenswert ist die Richtungsautomatik, die beim Drehen des Gerätes in der Bilderansicht, hochkante Bilder aufzoomt, sobald man die Kamera aufrecht dreht. Kritisch zu sehen ist aber, dass der Monitor nicht vertieft ist. Das bedeutet in der Praxis, dass Kratzer am Monitor vorprogrammiert sind. Eine Tasche oder Displayschutzfolie wird empfohlen.

Die A710 IS arbeitet mit dem ausgereiften Canon DiG!C II Bildprozessor und verfügt über genug Rechenpower. Die Kamera fokussiert über einen 9-Punkt AiAF-Autofokus mit Gesichtserkennung, der in der Praxis sehr gut funktioniert. Ein nettes Feature ist der von Sony bekannte Flexizone-Antifokus, bei dem man die scharfzustellende Autofokuszone variabel verschieben kann. Die Makrofunktion weiß auch zu überzeugen und liefert scharfe Bilder. Auch hier kommt, wie im Telebereich der Image Stabilizer zu Hilfe. Manche Händler geben im Makromodus eine Nahstellgrenze von 1cm an, was sich in der Praxis aber eher als 7-10cm herausstellte. Die Menüs sind klar strukturiert aufgebaut und die Bedienung ist als einsteigerfreundlich einzustufen. Animierte Bildschirmmenüs helfen bei der Auswahl, ersetzen aber nicht das vorige Durchlesen der Bedienungsanleitung. Hier ist auch Kritik anzumerken: der Rotstift von Canon ließ eine ausführliche Bedienungsanleitung nur auf CD-ROM zu. Es liegt nur eine Kurzanleitung liegt bei. Ansonsten verfügt die Kamera über alle gängigen Ausstattungsmerkmale, wie einen internen Blitz (für ca. 3 Meter Entfernung ausreichend), Bildprogramme (Auto / Tageslicht / bewölkt / Kunstlicht / Leuchtstoffröhren / Leuchtstoffröhren H / Unterwasser / manuell), Videofunktion, etc. Eine My-Color-Funktion läßt Fotofiltereffekte, wie sepia, s/w, etc. zu, wobei dieser eher eine Spielerei sind und zu externen Lösungen in der Nachbearbeitung zu raten ist.
Fazit:
Die Kamera liefert viel für ihr Geld. Canon hat einen reichhaltigen Ausstattungskatalog implementiert. Die Bildqualität weiß zu überzeugen. Es entstehen kontrastreiche Bilder mit einem ausgewogenen Farbraum. Canon-typisch ist die Farbe Rot etwas dominanter, aber vor allem die Akzentuierungen in Farbverläufen konnten überzeugen. Die A710 IS tendiert in gewissen Situationen zur Überbelichtung oder die Bilder werden etwas flau. Hier hilft es, manuell mit der Belichtungskontrolle gegenzusteuern, was sehr leicht machbar ist. Die sieben Megapixel lassen genug Spielraum für Kreativität und vor allem der Image Stabilizer ist zum unverzichtbaren Austattungsmerkmal geworden, welches überzeugen konnte. Die A710 IS kann das Unmögliche zwar nicht möglich machen und wird auch bei schlechten Lichtverhältnissen an ihre Grenzen stoßen, aber der IS-Mechanismus rettete so manche Aufnahme bei Belichtungszeiten von bspw. 1/8 Sekunde. Die Videofunktion ist ein gern genommenes Feature, allerdings gibt es hier Konkurrenten, wie bspw. Casio, die die Videos noch besser auflösen.
Die Abmessungen halten sich im Rahmen und machen die Kamera zu einem erträglichen Begleiter. Schade ist, dass Canon auf ein richtiges Handbuch verzichtet hat. Wer mehr aus der Kamera herausholen will, als nur den Vollautomatikmodus, sich aber noch nicht gut mit Kameras auskennt, wird am Monitor mitlesen müssen. Ob Otto Normalknippser diesen Aufwand betreibt, sei dahingestellt. Frech ist aber, dass man nur eine einfache 16MB-SD-Karte beigelegt hat. Enthusiasten sollten hier dringend zu einer 2GB-SD-Karte greifen. Die Verarbeitung konnte überzeugen, lediglich die Abdeckungen der Batterie-/Speicherkartenfächer war mehr als heklig und bedienerunfreundlich. Ein wirklicher Kritikpunkt ist die sehr lange Nachladezeit des Blitzes. Fünf Sekunden können schon eine recht lange Zeit sein. Wer diese Kritikpunkte zu beherzigen weiß, wird mir der Canon PowerShot A710 IS aber sicherlich Freude haben. Empfehlenswert für Einsteiger und Gelegenheitsfotografen.